Gute wissenschaftliche Praxis

Der Ausdruck "gute wissenschaftliche Praxis" beschreibt die professionelle Qualität im Wissenschaftssystem. Eine Kommission der deutschen Forschungsgemeinschaft DFG verabschiedete zu diesem Zweck erstmals 1998 Empfehlungen, die von den DFG geförderten Hochschulen und Forschungseinrichtungen etabliert wurden. Im Juli 2019 wurden diese Empfehlungen zuletzt aktualisiert und ergänzt. Die nun 19 Empfehlungen umfassenden Leitlinien sind verpflichtend für wissenschaftliche Institutionen in Deutschland. Neu sind insbesondere Ausführungen zum Berufsethos von Wissenschafter*innen, zu Fragen von Chancengleichheit und Diversität und zu Genderforschungsaspekten.

Website der DFG zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis (Kodex) - Wissenschaftliche Integrität

Prinzipien wirksamer Karriereunterstützung in der Wissenschaft

DFG-Hinweissystem für eine strukturierte, auch anonyme Weitergabe von Informationen zu Verstößen gegen den Kodex


 

Grundprinzip guter wissenschaftlicher Praxis

Unter dem Primat der Ehrlichkeit sich selbst und anderen gegenüber, lässt sich das Prinzip wissenschaftlicher Arbeit folgendermaßen zusammenfassen:

  • nachvollziehbare, nachweisbare und einsehbare Dokumentation aller Resultate
  • konsequente Selbst-und Fremdkritik der Ergebnisse
  • Ehrlichkeit im Hinblick auf die Beiträge von Partnern, Konkurrenten und  Vorgängern

Die Otto-von-Guericke-Universität hat auf Grundlage der DFG-Empfehlungen Leitlinien für den Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten ausgearbeitet.

Wer den Verdacht auf ein wissenschaftlliches Fehlverhalten äußert, bedarf der DFG zufolge eines besonderen Schutzes. Die Verdachtsnennung hat im guten Glauben zu erfolgen und von den darüber entscheidenen Instanzen vertraulich behandelt zu werden. An der Otto-von-Guericke-Universität gibt es dafür eine Kommission für den Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten.

 


 

Kommentar zur Autorenschaft bei Publikationen

Im Rahmen der Magdeburger Postdoktorandenstudie erreichten die Graduate Academy auffallend viele Kommentare zum Thema Autorenschaft bei Publikationen und dem, was im Englischen als „false authorship“ bezeichnet wird, d.h. dem Erfinden oder Hinzufügen von Autoren, die gar nicht an der Publikation beteiligt waren.

Natürlich tragen alle Autoren und Autorinnen einer wissenschaftlichen Veröffentlichung die Verantwortung für den Inhalt stets gemeinsam. Bei Einreichung eines Manuskriptes lassen sich die Verlage es auch auf unterschiedliche Weise bestätigen, dass alle Autoren die Einreichung des Manuskriptes absegnen. Laut Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis der DFG gilt [1]: „Autorin oder Autor ist, wer einen genuinen, nachvollziehbaren Beitrag zu dem Inhalt einer wissenschaftlichen Text-, Daten- oder Softwarepublikation geleistet hat. Alle Autorinnen und Autoren stimmen der finalen Fassung des Werks, das publiziert werden soll, zu. Sie tragen für die Publikation die gemeinsame Verantwortung, es sei denn, es wird explizit anders ausgewiesen. Autorinnen und Autoren achten darauf und wirken, soweit möglich, darauf hin, dass ihre Forschungsbeiträge von den Verlagen beziehungsweise den Infrastrukturanbietern so gekennzeichnet werden, dass sie von Nutzerinnen und Nutzern korrekt zitiert werden können.
Das heißt Autor bzw. Autorin ist damit nur, wer einen wesentlichen Beitrag zu Konzeption der Studie, zu Erarbeitung, Analyse und Interpretation der Daten und/oder zu Formulierung des Manuskripts beigetragen hat. Eine Autorenschaft kann nicht ehrenhalber erfolgen! Der umgekehrte Fall einer sogenannten „ghost authorship“, bei dem ein beteiligter Autor nicht genannt wird, ist selbstverständlich ebenfalls nicht ethisch vertretbar.

Um eine Autorschaft zu rechtfertigen, reichen daher folgende Beiträge für sich allein genommen nicht aus [2]:

  • bloß organisatorische Verantwortung für die Einwerbung von Fördermitteln,
  • Beistellung von Standard-Untersuchungsmaterialien,
  • Unterweisung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Standard-Methoden,
  • lediglich technische Mitwirkung bei der Datenerhebung,
  • lediglich technische Unterstützung, zum Beispiel bloße Beistellung von Geräten, Versuchstieren,
  • regelmäßig die bloße Überlassung von Datensätzen,
  • alleiniges Lesen des Manuskripts ohne substanzielle Mitgestaltung des Inhalts,
  • Leitung einer Institution oder Organisationseinheit, in der die Publikation entstanden ist.

Um Missbrauch der Autorenschaft vorzubeugen, bitten zahlreiche Journale bei Einreichung inzwischen darum, für jeden Autor anzugeben, an welchen Teilen der Entwicklung des Manuskripts er oder sie beteiligt war.

 

[1] DFG. Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis, DFG. 2019.

[2] DFG. Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis, WILEY-VCH Verlag, Weinheim. 2013.

Letzte Änderung: 04.05.2022 - Ansprechpartner: Dr. Barbara Witter